Ein Verlag zwischen den Sprachen und Kulturen

 

Der Drava Verlag in Klagenfurt/Celovec ist benannt nach dem Fluss, der in Südtirol als Drava/Drau entspringt, Kärnten als Drau/Drava und Slowenien als Drava durchfließt und in Kroatien mit der Sava, in Beograd mit der Donava ­vereint, dem ­Schwarzen Meer zustrebt.

Der geografische Raum des Flusses ist der literarische Raum des Verlages – mit ­Exkursen in andere Welten. Drava ist ein Verlag am Schnittpunkt von Sprachen und Kulturen und  veranstaltet seit 35 Jahren Expeditionen zu ­unbekannten ­Literaturen und zu fremden Sprach- und Kulturräumen.

Drava wurde 1952 als Druckerei gegründet, um die eigene slowenischs­prachige ­Zeitung drucken zu können, die in Kärnten niemand drucken wollte. Bücher wurden damals noch nicht systematisch verlegt. 1981 beginnt die reguläre Verlagstätigkeit im belletristischen und Sachbuchbereich mit Frühjahrs- und Herbst­programm, ­eigenen Verlagsauslieferungen und Messeteilnahmen zunächst in Frankfurt, dann auch in Leipzig, Wien und Ljubljana.

In den 35 Jahren seither sind über 700 Bücher in slowenischer und deutscher ­Sprache erschienen, mitunter auch in einer dritten oder vierten Sprache, z. B. in ­Italienisch oder Englisch oder in ­Romanes.

Ein erster Schwerpunkt der Verlagstätigkeit ergibt sich aus den Wurzeln des Verlags: es ist seine ureigenste Aufgabe, literarische Werke kärntnerslowenischer AutorInnen im slowenischen Original und/oder in deutscher Übersetzung herauszugeben. Stellvertretend seien ­genannt: Fabjan Hafner, Andrej Kokot, Florjan Lipuš, Janko Messner, Cvetka Lipuš, Maja Haderlap, Jani ­Oswald oder Dominik Srienc.

Von Anbeginn hat sich der Verlag – sozusagen unter dem Motto Wir beleben den Grenzverkehr – der Übersetzung von Werken der slowenischen Literatur verschrieben (erwähnt seien Autoren wie Ivan Cankar, Srečko Kosovel, Ciril Kosmač oder Prežihov Voranc, oder auch ZeitgenossInnen wie Franjo Frančič, Maruša Krese, Eva Petrič und Lojze Kovačič, Sebastijan Pregelj oder Andrej E. Skubic).

Sehr bald sind Übersetzungen aus anderen ­Literaturen vor allem Südosteuropas dazugestoßen. Werke serbischer, bosnischer, istrischer, bulgarischer, rumänischer, italienischer AutorInnen (letztere vornehmlich in Kooperation mit dem Verlag AlphaBeta aus Meran) seien hier genannt.

In unsystematischer Weise verlegt der Verlag auch ­Übersetzungen aus lateinamerikanischen, chinesischen und afrikanischen Literaturen, aber z. B. auch das dichterische ­Gesamtwerk des Pragerdeutschen Dichters H. G. Adler.

Im literarischen Bereich widmet sich der Verlag verstärkt Originalausgaben zeitgenös­sischer österreichischer AutorInnen, etwa von ­Alexander ­Widner, Elisabeth Wäger, Brigitta Busch, Richard Schuberth, Ursula Wiegele, Robert Kraner, Gerhard Hammerschmied, Sama Maani oder Walter Fanta und Günter Schmidauer.

Aus den langjährigen Kulturprogrammen des Klagenfurter Universitätskultur­zentrums UNIKUM sind (teilweise bereits in 2. und 3. Auflage) einige bemerkenswerte Wander-Reise-­Lesebücher entstanden, die neben ihrem praktischen Wert als ­Wanderbegleiter ­kritische Kulturführer durch die Alpen-Adria-Länder Kärnten, Slowenien und Friaul-­Julisch Venetien sind: Kärnten unten durch, Slowenien entgegen, Die letzten Täler, der dreisprachige Atlas der besonderen Orte, ­Tiefer gehen, Zu Rande kommen.

Die Herausgabe von (populär-)wissenschaftlichen Werken zur Minderheitenproblematik und zu verwandten Themenbereichen war stets ein wesentliches Standbein des ­Verlages. Hier hat sich das Spektrum auf theoretische, ­politikwissenschaftliche und pädagogische Werke erweitert, die bis nach Südtirol oder bis zur Migrations- und Mehrsprachig­keits­problematik in Österreich und anderswo reichen.

Außerdem ­werden als Bücher gegen das Vergessen Erinnerungsbücher von Kärntner SlowenInnen  an die trauma­tische Zeit der nationalsozialistischen Verfolgung und des Widerstandes dagegen herausgegeben.

 

In den Kontext von Literatur anderer Minderheiten gehören auch sechs Bände mit Roma-Märchen in der Originalsprache und in ­deutscher Übersetzung, herausgegeben vom [romani] projekt an der Karl-Franzens-Universität Graz, sowie literarische Werke von Roma-AutorInnen wie Ilija Jovanović, Mišo Nikolić, Mariella Mehr und Jovan Nikolić.

 

Verantwortliche Verlagsleiter:
1981–1986  Lojze Wieser
1987–2002  Helga Mračnikar, danach bis 2009 im Lektorat
2002–2007  Thomas Busch, vorher im Lektorat
2007–2010  Franz Marenits
2010–2015  Peter Wieser
Seit 2016  Erika Hornbogner

 

Weiter Informationen auf der Homepage des Verlages: www.drava.at